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Geschlechterforschung in der Frauengesundheitsforschung:
Gewalt, Gesundheit und Geschlecht
Vortrag auf der 1. Tagung des Berliner Chancengleichheitsprogramms (2003)

Die Soziale Konstruktion von Maskulinität und die Geschlechtsspezifische Funktion von Diäten

Barbara Klingenspor

Bulimische Essstörungen treten überwiegend und relativ háufig bei Mádchen und Frauen auf, werden jedoch selten als Symptome von sozialer Gewalt und Unterdrckung erkannt. Es wird vermutet, dass Geschlechtsstereotypen, d.h. Vorstellungen, die direkt (feminin, maskulin) und indirekt (nachgiebig, wettbewerbsorientiert) mit dem körperlichen Geschlecht verknüpft werden, dabei eine zentrale Rolle spielen.

In der folgenden Untersuchung wurde ein Modell berprft, das die Beziehungen zwischen geschlechtstypischen Eigenschaften, dem Selbstwertgefhl und dem Essverhalten spezifiziert und in amerikanischen und deutschen Stichproben bereits getestet wurde. Um herauszufinden, wie gut dieses Modell in einer nicht westlichen Stichprobe passt, wurde 1993 - bevor die markwirtschaftlichen Reformen greifen konnten - eine anonyme Fragebogenuntersuchung in Ekaterinburg durchgeführt, an der 619 russische Studentinnen und Studenten teilnahmen. Einschränkungen des Essens aus wirtschaftlichen Gründen wurden dabei unabhängig von Einschränkungen des Essens, um abzunehmen, gemessen. Die Kovarianzstrukturen wurden mit dem Computerprogramm EQS analysiert. Das getestete Modell konnte bestätigt und verfeinert werden: 1. Die Häufigkeit von Diäten hing bei Männern allein vom körperlichen Attraktivitätsgefhl ab. Bei Frauen hingegen war das Selbstwertgefühl insgesamt entscheidend. 2. Die Korrelation zwischen der Häufigkeit von Diäten und maskulinen Eigenschaftenfeminin

maskulin
  • ehrgeizig
  • entschlossen
  • intelligent
BSRI
war in beiden Gruppen fast Null. Die Strukturgleichungsanalysen deckten jedoch auf, dass die Ausprágung von maskulinen Eigenschaften in einer Gruppe - bei den Frauen - durch Diäten signifikant beeinflusst wurde. 3. Die Richtung des Einflusses von Diäten hing von dem Maskulinitätswert ab. Diäten verbesserten die Wahrnehmung von maskulinen Eigenschaften bei den Frauen, die weniger maskuline Eigenschaften hatten als der Durchschnitt. Die umgekehrte Wirkung hatten Diäten bei den Frauen, die einen überdurchschnittlich hohen Maskulinitätswert hatten.

 

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